Besonders begabte Kinder brauchen nicht automatisch mehr Aufgaben – sie brauchen vor allem passende Aufgaben. Genau darin liegt eine der größten Herausforderungen für Eltern und Schulen. Unterforderung kann ebenso belastend sein wie permanenter Leistungsdruck.
Schon in der damaligen Berichterstattung der Viernheimer Nachrichten spielte dieses Thema eine Rolle: Ein Elternstammtisch an der Albertus-Magnus-Schule beschäftigte sich mit der Förderung besonders begabter Kinder. Der historische Beitrag ist heute vor allem deshalb interessant, weil viele der damals diskutierten Fragen weiterhin aktuell sind.
Begabung ist mehr als eine gute Note
Ein Kind kann in einzelnen Bereichen außergewöhnlich schnell lernen und in anderen ganz durchschnittlich sein. Manche besonders begabten Schüler fallen durch sehr gute Leistungen auf, andere eher durch Langeweile, Rückzug oder ungewöhnliche Fragen.
Deshalb ist es wenig hilfreich, Begabung ausschließlich über Zeugnisnoten zu definieren. Wichtiger ist die Frage, ob Lernangebote zum Entwicklungsstand des Kindes passen und ausreichend Raum für vertieftes Arbeiten bieten.
Warum Elternaustausch sinnvoll sein kann
Der damalige AMS-Elternstammtisch setzte auf Erfahrungsaustausch. Das ist bis heute ein sinnvoller Ansatz, solange individuelle Fälle vertraulich behandelt werden. Eltern können voneinander lernen, welche Zusatzangebote funktionieren, wie Gespräche mit Lehrkräften geführt werden können und wo außerschulische Interessen sinnvoll vertieft werden.
Gleichzeitig hilft der Austausch dabei, Erwartungen zu relativieren. Ein besonders begabtes Kind muss nicht permanent gefördert, beschleunigt oder auf Wettbewerb getrimmt werden. Freizeit, Freundschaften und Phasen ohne Leistungsziel bleiben genauso wichtig.
Förderung bedeutet nicht automatisch „mehr Stoff“
Gute Förderung kann auch bedeuten, komplexere Fragestellungen anzubieten, eigene Projekte zu ermöglichen oder Themen fächerübergreifend zu bearbeiten. Qualität ist wichtiger als Quantität.
Damit bleibt die Grundfrage des damaligen Elternstammtischs aktuell: Wie schafft man ein Umfeld, in dem besonders begabte Kinder gefordert werden, ohne ihnen das Gefühl zu geben, ständig etwas Besonderes leisten zu müssen?