Konzept einer integrierten Schul- und Berufsausbildung

Anlegen von Gärten. Foto: Focus

Anlegen von Gärten.
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Vorbereitung der Kompostierung. Foto: Focus

Vorbereitung der Kompostierung.
Foto: Focus

Bau der Biogasanlage. Foto: Focus

Bau der Biogasanlage.
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Pflügen der Parzellen. Foto: Focus

Pflügen der Parzellen.
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Der Viernheimer Bürgermeister Baaß beim Pflügen. Foto: Focus

Der Viernheimer Bürgermeister Baaß beim Pflügen.
Foto: Focus

Lehrer beim Theorieunterricht. Foto: Focus

Lehrer beim Theorieunterricht.
Foto: Focus

Schüler beim Theorieunterricht. Foto: Focus

Schüler beim Theorieunterricht.
Foto: Focus

Seifenherstellung. Foto: Focus

Seifenherstellung.
Foto: Focus

Viernheim (kh) – Neben den Bereichen Begegnung, Wasserversorgung und Gesundheit ist für FOCUS e. V. die Bildung der wichtigste Teilbereich. In der über 20-jährigen Partnerschaft mit den afrikanischen Gemeinden engagierte sich FOCUS zunächst in der Förderung der Grundschulen in den Gemeinden Sadouin, Tonon und Névri (kurz: Satonévri) durch Bau von Schulen, Kauf von Büchern und Schulmaterial, Beschaffung von Schulbänken und die Finanzierung der Schulspeisung. Später kam dann die Förderung von Schülern im Collége (Mittelstufe) und Lycée (Oberstufe Gymnasium) hinzu. Durch die Erweiterung der Städtepartnerschaft auf die Großgemeinde Silly werden nun 38 Schulen mit 6000 Schülern von FOCUS unterstützt.

Trotz aller Erfolge hinsichtlich rasant steigender Schülerzahlen, blieb trotzdem ein Wermutstropfen zurück. Die Jugendlichen hatten trotz guter Schulbildung keine oder nur geringe Chancen auf dem Arbeitsmarkt. Sie verblieben als „abhängige Kinder“ auf dem Gehöft ihrer Eltern oder wanderten in die Städte ab, um sich mit Gelegenheitsjobs durchzuschlagen. Manche verdingen sich auch zu Niedrigstlöhnen auf den Plantagen der Elfenbeinküste.

Die Landflucht und die mangelnden Zukunftsperspektiven in einem Teufelskreis von Armut und Hunger sind ein erster Schritt hin zu der sich immer mehr ausweitenden Flucht nach Europa.

Bau eines Berufsbildungszentrums in der Gemeinde Silly im Jahr 2012

Hier setzt die entwicklungspolitische Arbeit von FOCUS an. Bereits im Jahr 2006 wurde bei mehreren Klausurtagungen des Vorstands zusammen mit afrikanischen Partnern die Möglichkeit besprochen, das Abwandern der jungen Menschen zu verhindern. Die Antwort war ein Berufsbildungszentrum für Landwirtschaft, das im Jahr 2012 eröffnet werden konnte. In einer ersten Ausbaustufe wurden 30 junge Menschen in effektiver Landwirtschaft und Viehzucht und der Konservierung und Weiterverarbeitung von landwirtschaftlichen Produkten unterrichtet. Wirtschaftslehre und Buchhaltung ergänzen den Fächerkanon. Unterrichtet wird in Anlehnung an das deutsche „Duale Ausbildungssystem“, bei dem sich Theorie- und Praxisphasen abwechseln. Nach Abschluss der ersten Ausbildungsphase wurden die jungen Erwachsenen mit einer Grundausstattung von Geräten, Tieren und Materialien versorgt, damit der Schritt in die Selbständigkeit gelingen konnte.

Die Ausbildung sollte es den jungen Menschen ermöglichen, ein solides Einkommen mit Überschüssen in der Heimat zu erzielen und damit der Landflucht entgegen wirken. Viele Beispiele zeigen, dass dies gelungen ist. Ihre erlernten Kenntnisse werden von alteingesessenen Landwirten aufgegriffen und tragen somit insgesamt zu einer Produktivitätssteigerung in der Region bei.

Dieser Ausbildungsgang ist Berufsbildungszentrum in Silly bereits fest installiert. Wie schon gesagt, die  Ausbildungskapazität liegt derzeit bei maximal 30 Jugendlichen und jungen Erwachsenen. Bei einer Gesamtbevölkerung von über 30.000 Einwohnern in der Landgemeinde Silly liegt der Bedarf aber weitaus höher.

Erweiterung der Ausbildungsgänge geplant

Deswegen wird einerseits künftig das Ausbildungsspektrum um einen eigenen Ausbildungsgang „Weiterverarbeitung“ erweitert und weiterhin ein  Kurssystem für Erwachsene installiert, um diesen Weiter- und Fortbildungen in Methoden zur Optimierung agrarischen Wirtschaftens  anzubieten.

Da Landwirtschaft in Burkina Faso aber nur saisonal betrieben werden kann, können verderbliche Produkte nur zeitnah vermarktet werden. Um den Vermarktungsprozess zeitlich auszuweiten, und somit höhere Gewinne zu erzielen, bedarf es der Aneignung von Kenntnissen in

  • Effektiver, angepasster Lagerhaltung
  • Transformation agrarischer Produkte in länger haltbare Erzeugnisse
  • Methoden der Konservierung
  • Hygienischen Verarbeitungsprozessen zur Vermeidung von Keimbefall, Schädlingsbefall und Schimmelbildung
  • Vermarktungsstrategien, Bedarfsermittlung, Produktplatzierung
  • Ökonomischer Rahmbedingungen (Kalkulation des Mittelbedarfs, Mitteleinsatzes, Sekundärkosten, Ertragsprognose)

Der Erwerb dieser Kenntnisse soll in einem zusätzlichen, eigenen Ausbildungsgang konzipiert werden

Aufbau einer Erwachsenenbildung im agrarischen Bereich

Um eine möglichst große Breitenwirkung zu erzielen wird zusätzlich zu den klassischen Ausbildungsgängen ein Bildungsbereich entwickelt, der sich an die erwachsene Landbevölkerung wendet, die im traditionellen agrarischen Segment wirtschaftet. Die Organisation dieses Bereiches wird dem Konzept einer uns bekannten Volkshochschule ähneln. Also ein Kursangebot beinhalten, das sich auf überschaubare Perioden bezieht. Dieses Bildungsangebot wird sich an den äußeren Rahmenbedingungen orientieren müssen und eher in der Trockenzeit stattfinden, wenn die Landbevölkerung freie Kapazitäten hat, da die Felder nicht bestellt werden können.

Es wird am CFAP in Silly als zentrales Kursangebot installiert und wird sich in basale Kursangebote gliedern, die Voraussetzung sind um Kursinhalte zu verstehen (Alpha-Kurse) und aufbauende Kurse speziell im agrarischen Segment. Die möglichen Kursinhalte könnten sich auf die komprimierte Aneignung von besonderen Verfahren in der Behandlung, Konservierung, Lagerhaltung von landwirtschaftlichen Produkten,  Verfahren der Kompostierung und Bodenverbesserung, biologischer Pflanzenschutz, Ernährungsfragen beziehen.

Die Kursteilnahme soll mit der Vergabe eines Micro-Kredites verknüpft werden, um einerseits die Kurskosten zu finanzieren, aber viel wichtiger, um die unmittelbare praktische Umsetzung des Erlernten möglich zu machen.

Einrichtung einer mobilen Bildungseinheit

Die Landgemeinde Silly erstreckt sich über ein Gebiet von rund 1200 km² mit 33 Dörfern. Die Verkehrsverbindungen sind recht schwierig. Deswegen soll zusätzlich zum zentralen Kursangebot im CFAP eine mobile Bildungseinheit zur Erwachsenenbildung entwickelt werden, die die Menschen vor Ort in ihrem Lebensumfeld  aufsucht und Qualifizierungsangebote installiert.

Die Bevölkerung in den Communes rurales in Burkina Faso hat mit erheblichen Nachteilen zu kämpfen im Vergleich zu den Menschen, die in den Ballungszentren leben. In den Landgemeinden Burkinas ist die Armut der Einwohner recht groß.

Infos zum Verein Focus: http://www.focus-viernheim.de/