Trockenheit gefährdet Waldkulturen. Borkenkäferbefall in Fichten erfordert hohe Aufmerksamkeit der Waldbauern und Förster – Artenschutzrecht behindert Maßnahmen zur Walderhaltung

Die momentan anhalten hohen Temperaturen und der ausbleibende Regen werden für  unsere Wälder zum Problem. Neu angelegte Waldkulturen leiden unter Wassermangel. „Wenn es nicht bald ausgiebig regnet, drohen zahlreiche frisch gepflanzte Bäumchen zu vertrocknen“, sagt der Präsident des Hessischen Waldbesitzerverbandes, Michael Freiherr von der Tann. Damit würde die Arbeit der Waldbauern und Förster der letzten Wochen empfindlich beschädigt und müsste durch Nachpflanzung im nächsten Frühjahr wiederholt werden.

„Wir haben einen der trockensten Winter seit Beginn der Wetteraufzeichnungen erlebt“, so von der Tann. Zudem war der Spätsommer 2016 extrem heiß und niederschlagsarm. Die Wälder sind schon mit Wassermangel in den Winter gegangen. „Wir erinnern uns daran, dass Laubwälder auf flachgründigen Südhängen im letzten Jahr schon Ende September braune Blätter zeigten und  Ende Oktober teilweise ihr Laub verloren hatten“, so der Waldbesitzerpräsident.  Die Böden hatten im Herbst kaum noch Wasserreserven und haben im Winter keinen Niederschlag bekommen. Zu Beginn der Wachstumsperiode fehlt das sonst aus den Niederschlägen im Winter im Boden gespeicherte Wasser, das die Bäume dringend zum Austrieb der jungen Blätter und Nadeln brauchen.

Rauchen und Feuer im Wald verboten

Das Rauchen und offenes Feuer sind im Wald seit dem 1. März gesetzlich untersagt. Durch die warmen Temperaturen sind das Laub auf dem Boden und die abgestorbenen Gräser und Kräuter am Wegrand sehr leicht entzündlich. Die Bevölkerung wird zum Schutz der Wälder vor Brandgefahr aufgefordert, sich unbedingt daran zu halten. Autofahrer werden gebeten, keine Zigarettenkippen aus dem Fenster zu werfen. Grillen ist ausschließlich auf den ausgewiesenen Grillplätzen oder zu Hause im Garten erlaubt.

Gefahr durch Borkenkäfer

Den Nadelwäldern droht durch die Trockenheit eine weitere Gefahr. Besonders die Fichte ist bei Trockenstress anfällig für Borkenkäfer, wie den Buchdrucker (Ips typographus) und Kupferstecher (Pityogenes calcographus). Die viel zu warmen Märztage begünstigen den Frühjahrsflug dieser Insekten, die in der Bodenstreu überwintern und sich nach dem Ausfliegen sofort in die Rinde von Fichten zur Eiablage einbohren. Etwa ab Mitte April sind Waldbauern und Förster gefordert, die Fichtenbestände auf Borkenkäferbefall zu kontrollieren. Befallen Bäume sollten sofort gefällt und aus dem Wald transportiert werden, bevor die Jungkäfer ausfliegen und weitere Bäume befallen.

Naturschutzrecht muss Ausnahmen zulassen

Während der Brut- und Aufzuchtzeit sollte die Holzernte im Umfeld von Nestern und Höhlenbäumen möglichst ruhen, um die Bruteltern nicht zu stören. Das sehr strenge Artenschutzrecht steht immer wieder dringend notwendigen Maßnahmen zur Erhaltung der Wälder entgegen, wie zum Beispiel das Fällen von Bäumen, die vom Borkenkäfer befallen sind. Das unverzügliche Entfernen befallener Bäume aus dem Wald die einzige Möglichkeit, den Wald vor der Ausbreitung der Borkenkäfer und damit vor der sicheren Vernichtung zu schützen. Diese Aufgabe  muss besonders in so extrem trockenen Frühjahren Priorität haben. Die Zuständigen Behörden sind aufgefordert, hier die Schutzgüter sachgerecht abzuwägen und dem Waldschutz den Vortritt zu lassen.