Studie untersucht Bedeutung von Gemeinden für Europäische Union

Der Viernheimer Dr. Markus Tausendpfund hat ein Buch zum Thema “Gemeinden als Rettungsanker der EU?” veröffentlicht.
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Viernheim. Gescheiterte Referenden, Finanz- und Schuldenkrise. Seit einiger Zeit wird die Zustimmung der Bürger zur Europäischen Union (EU) verstärkt in Frage gestellt. In dieser Situation richtet sich der Blick verstärkt auf die Gemeinden, die durch die vielfältigen Verbindungen zwischen der lokalen und europäischen Ebene besonders geeignet seien, die Distanz zwischen der Staatengemeinschaft und den Bürgern zu verringern.

Für diese These findet sich bisher aber keine empirische Überprüfung. Diese Forschungslücke schließt die Dissertation von Dr. Markus Tausendpfund, die an der Universität Mannheim im Rahmen des Projekts „Europa im Kontext“ entstanden ist. In seinem Buch „Gemeinden als Rettungsanker der EU?“, das jetzt in der Reihe „Studien zur Wahl- und Einstellungsforschung“ bei Nomos erschienen ist, untersucht der Politikwissenschaftler den Einfluss individueller Merkmale und des lokalen Umfelds auf die Zustimmung der Bürger zur EU.

Für die empirischen Analysen kann der Politikwissenschaftler auf einzigartiges Datenmaterial zurückgreifen. In 28 hessischen Gemeinden – darunter auch Viernheim – wurden mehr als 12 000 Bürger befragt. Außerdem fanden in diesen Gemeinden eine Kommunalpolitikerbefragung sowie eine Sammlung von statistischen Informationen zur politischen, gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Situation in diesen Kommunen statt. „Erst diese außergewöhnlichen Datensammlungen ermöglichten es, die Einflüsse individueller Merkmale und des lokalen Umfelds auf die Haltung der Bürger empirisch zu untersuchen“, erläutert der Politikwissenschaftlicher.

Auf Basis dieser Daten untersucht Tausendpfund, wie sich das politische, gesellschaftliche oder wirtschaftliche Umfeld einer Gemeinde auf die Zustimmung der Bürger zur EU auswirkt. Sind zum Beispiel Menschen in einer Gemeinde, die stärker von der EU profitiert, europafreundlicher als Bürger in einer Gemeinde, die keine EU-Mittel erhält? Oder sind Menschen, in einer Kommune mit vielen europäischen Städtepartnerschaften positiver gegenüber der EU eingestellt als Personen in einer Gemeinde, die keine Städtepartnerschaften pflegt?

„Nein“, antwortet der Politikwissenschaftler auf beide Fragen. Das lokale Umfeld hat praktisch keinen Einfluss auf die Haltung der Bürger zur EU, wichtiger sind individuelle Merkmale wie Bildung, nationalstaatliche Orientierungen oder das politische Interesse. Allerdings erlaube dieses Ergebnis nicht die Schlussfolgerung, dass Gemeinden für die Zustimmung der Bürger zur EU unwichtig sind. Schließlich verweist Tausendpfund auf einen äußerst interessanten Befund seiner Studie. Bürger, die mit der lokalen Politik eher zufrieden sind, zeigen auch eine positivere Haltung gegenüber der EU. Lokale Orientierungen sind damit ein wichtiger Bestimmungsfaktor der Haltungen der Bürger zur EU. „Die lokale Ebene hat damit eine Bedeutung, die weit über die Gemeindegrenzen hinausgeht“, erläutert der Politikwissenschaftler.

Das Buch „Gemeinden als Rettungsanker der EU? Individuelle und kontextuelle Faktoren der Zustimmung der Bürgerinnen und Bürger zur Europäischen Union“ von Dr. Markus Tausendpfund ist bei Nomos erschienen (ISBN: 978-3-8487-0023-3). Informationen zum Projekt „Europa im Kontext“ finden sich auch auf der Projekthomepage unter www.europa-im-kontext.de