Die Viernheimer Juljan Biontino und Sebastian Tobginski wohnen im koreanischen Studentenwohnheim Tür an Tür

Sebastian Tobginski (links) und Juljan Biontino (rechts). Foto: st

Sebastian Tobginski (links) und Juljan Biontino (rechts).
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Viernheim (st) – Nachdem sich die zwei Viernheimer Studenten bereits 2013 in Korea kennen lernten, hat der koreanische Wohnheimbeauftragte, der die Zimmer nach dem Zufallsprinzip vergibt, ein Kuriosum der besonderen Art geschaffen. Allgemein trifft man in Korea relativ wenig Ausländer und Deutsche, die mehrere Jahre im Land bleiben. Die beiden Viernheimer waren umso erstaunter zu hören, dass sie in Zukunft 10.000 km von der Heimat entfernt Nachbarn werden sollten. Biontino (32) und Tobginski (25) haben beide ihr Abitur an der Alexander-von-Humboldt Schule absolviert.

Biontino ging danach zum Studium der Japanologie nach Heidelberg, in dessen Rahmen er eineinhalb Jahre in Tokyo lebte, bevor er für seine Promotion vor fünf Jahren an die Seoul National University in Korea kam. Für Tobginski ist es der dritte Koreaaufenthalt. Im Rahmen seines Studiums in Darmstadt studierte er bereits ein Jahr an der Ewha Womans University in Seoul und leistete Freiwilligenarbeit an einer High School auf Ganghwa-do, eine an Nordkorea grenzende Insel. Nach seinem Bachelorabschluss in Soziologie und Politikwissenschaft an der Technischen Universität Darmstadt begann er im September seinen Master in Internationalen Beziehungen ebenso an der Seoul National University.

Die Seoul National University ist eine koreanische Elite-Universität und eine der besten Universitäten in Asien, deren koreanische Absolventen in den Führungsebenen von Politik, Diplomatie, Kultur und Wirtschaft anzutreffen sind. Der international bekannteste Absolvent ist Ban Ki-Moon, der Generalsekretär der Vereinten Nationen, der an der SNU einen Abschluss in Internationalen Beziehungen machte.

Die zwei Viernheimer lassen sich davon jedoch nicht beeindrucken und genießen Mitbringsel, wie Viernheimer Hausmacher, Senf oder auch Haribo. Dazu backen sie ihre Laugenbrötchen auch schon mal selbst, da es in Korea keine Backwaren deutscher Art gibt. Ist der Proviant aufgebraucht, muss auf die Österreichische Metzgerei und das Bier einer Mannheimer Brauerei ausgewichen werden, das man häufig in den großen Supermärkten kaufen kann. Auch Vernemerisch wird gesprochen, um bei dem Englisch und Koreanisch im Alltag nicht seine Muttersprache zu verlernen, wenn wieder ein Heimaturlaub ansteht.

Ist das Heimweh zwischendurch zu groß, bietet das Goethe-Institut, an dem Tobginski ein zweimonatiges Praktikum absolvierte, eine kleine deutsche Oase, das Oktoberfest auf einer Insel im Süden Koreas deutsche Trinkkultur und Vorträge des deutschen Botschafters Rolf Mafael an der Universität zur Deutschen Wiedervereinigung stellen die Verbindung nach Deutschland her. Darüber hinaus besuchte Bundespräsident Joachim Gauck Seoul im Oktober.

Die beiden Viernheimer werden wohl auch in den nächsten Jahren in Ostasien leben. Biontino möchte nach seiner Promotion an einer Universität in Japan arbeiten. Tobginski zieht nach seinen zwei Jahren in Korea eine Karriere im höheren Dienst des Auswärtigen Amtes in Betracht.

Es gilt wohl auch in Fernost: „Vernemer trifft man überall“.