Kreis Bergstraße (dgb) – Wenige Tage vor der Bundestagswahl warnt der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) im Kreis Bergstraße vor steigender Altersarmut. Im Kreis Bergstraße verdienten Ende vergangenen Jahres 15.933 Vollzeitbeschäftigte (ohne Auszubildende) weniger als 2.500 Euro brutto im Monat. Das geht aus Zahlen der Bundesagentur für Arbeit hervor. Ein Bruttoeinkommen oberhalb dieser Grenze ist jedoch notwendig, um nach 40 Beitragsjahren nicht in die Grundsicherung zu fallen. Ursache für dieses Problem ist das Senken des Rentenniveaus, das im Jahr 2030 auf bis zu 43 Prozent absinken wird. Dann wären mehr als ein Drittel der Vollzeitbeschäftigten im Kreis Bergstraße von Armut im Alter bedroht.

„Wir brauchen als Allererstes eine sofortige Stabilisierung des gesetzlichen Rentenniveaus auf dem heutigen Stand von 48 Prozent. Die Rente muss endlich wieder Schritt halten mit der Entwicklung der Löhne“, betont DGB-Kreisvorsitzender Sven Wingerter (Wald-Michelbach). „In einem weiteren Schritt muss das Rentenniveau wieder deutlich angehoben werden. Wir dürfen nicht zulassen, dass Menschen am Ende eines jahrzehntelangen Berufslebens für ihre Arbeit immer weniger Rente bekommen. Die massenhafte Rückkehr von Altersarmut muss verhindert werden“.

DGB-Regionssekretär Horst Raupp (Darmstadt) unterstreicht: „Wir brauchen einen grundlegenden Kurswechsel in der Rentenpolitik. Das Thema darf nicht auf die lange Bank geschoben werden, es muss jetzt gehandelt werden. Die Entwicklung des Rentenniveaus ist die zentrale sozialpolitische Frage. Die DGB-Gewerkschaften haben klare Anforderungen an die Rentenpolitik formuliert. Löhne und Renten müssen in einem reichen Land wie Deutschland für ein gutes Leben reichen. Dafür kämpfen wir – vor und nach der Bundestagswahl am 24. September“.

Der DGB Bergstraße stellt fest: „Die private Riester-Rente ist gescheitert, sie ist ineffizient und viel zu teuer. Die staatlichen Zuschüsse werden von den Kosten der Verwaltung und der Rendite aufgefressen, die die Versicherungskonzerne für sich abzweigen. Gerade diejenigen, die am stärksten von Altersarmut bedroht sind, können sich den nötigen Eigenanteil für die private Vorsorge nicht leisten, weil ihnen schlicht und ergreifend das Geld dafür fehlt. Deshalb muss die gesetzliche Rente gestärkt werden“.

Philipp Ofenloch (Bürstadt), Vertreter der DGB-Jugend im DGB-Kreisvorstand, erklärt: „Damit die junge Generation nicht zur Generation Altersarmut wird, muss gegengesteuert werden – und zwar jetzt! Auch die heute Jungen brauchen später eine Rente, von der sie gut leben können. Die Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer dürfen sich nicht in Jung und Alt spalten und gegeneinander ausspielen lassen. Die Gewerkschaften kämpfen für gute Löhne und gute Renten. Beides gehört zusammen. Das ist Generationengerechtigkeit“.

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