Grüne Damen haben ihren festen Platz im Kreiskrankenhaus Bergstraße – Ehrenamtlich besuchen sie Patienten auf den Stationen

Ute Karger, die Leiterin der Grünen Damen am Kreiskrankenhaus Bergstraße in Heppenheim, beim Gespräch mit einem Patienten. Foto: KKH Bergstraße / Thomas J. Zelinger

Ute Karger, die Leiterin der Grünen Damen am Kreiskrankenhaus Bergstraße in Heppenheim, beim Gespräch mit einem Patienten.
Foto: KKH Bergstraße / Thomas J. Zelinger

Heppenheim (kkh) – Die Grünen Damen haben ihren festen Platz im Tagesgeschehen am Kreiskrankenhaus Bergstraße in Heppenheim, und das seit bald 35 Jahren. Sie besuchen Patienten, ehrenamtlich. Gerade haben sie gemeinsam einen Gottesdienst gefeiert, bei dem ihre Arbeit gewürdigt wurde. Elf Grüne Damen sind im Wechsel im Krankenhaus unterwegs, weitere Interessierte sind willkommen und können sich gerne bei den Seelsorgenden des Hauses über die Tätigkeit als Grüne Dame informieren, Tel. 06252 – 7010 (Zentrale). Im Interview: Ute Karger, Leiterin der Gruppe. Das Gespräch führte Thomas J. Zelinger.

Frau Karger, wie kommen die Grünen Damen zu ihrem Namen?

Ute Karger: Den Namen haben wir von den lindgrünen Kitteln die wir tragen, wenn wir im Krankenhaus unterwegs sind. Wir sind damit gut zu erkennen. Die Idee der Grünen Damen kommt übrigens aus Amerika, die Frau des früheren CDU-Bundesministers Gerhard Schröder, Brigitte Schröder, hat sie vor bald fünfzig Jahren nach Deutschland gebracht.

Was sind Ihre Aufgaben?

Ute Karger: Wir besuchen Patienten, wenn sie wollen, schenken ihnen Zeit, hören zu, machen kleine Besorgungen im Haus, bringen Tee oder die Zeitung und sprechen Mut zu. Und wir hören zu.

Wie sind Sie zu der Gruppe am Kreiskrankenhaus gekommen?

Ute Karger: Ich war als Patientin hier. Es war kurz bevor ich aufhörte zu arbeiten, außerhalb der Region. Danach wollte ich fest nach Heppenheim kommen und habe mir Gedanken gemacht, was ich mit meiner freien Zeit anfangen könnte. Eine Grüne Dame hat mich damals besucht. So kam ich auf die Idee, mich der Gruppe anzuschließen.

Was sind die größten Herausforderungen für die Grünen Damen?

Ute Karger: Durch die Gesundheitsreform sind die Aufenthaltszeiten der Patienten im Krankenhaus kürzer geworden. Das heißt, wir treffen sehr oft auf neue Menschen. Darauf müssen wir uns einstellen, müssen immer wieder aufs Neue Mut haben, die Tür zum Krankenzimmer zu öffnen mit der Frage: Was erwartet uns dahinter? Die Probleme der Patienten sind geblieben. Sie haben Fragen, Ängste was passiert mit mir, was passiert mit meinen Angehörigen? Inzwischen sind wir oft auch bei der Sprache gefordert, da die Zahl fremdsprachiger Patienten zunimmt. Teilweise kommen wir mit Englisch weiter, manchmal verständigen wir uns gestikulierend.

Was sind für Sie persönlich die schönsten Momente?

Ute Karger: Wenn ich aus einem Zimmer gehe und jemand sagt: „Es war schön, dass Sie da waren, das tut mir gut, es geht mir jetzt besser.“

Welche Qualifikationen muss eine Grüne Dame mitbringen?

Ute Karger: Sie sollte seelisch und körperlich belastbar sein und Einfühlungsvermögen haben.

Gibt es für Interessierte so etwas wie eine Schnupperzeit?

Ute Karger: Anfangs gibt es ein Gespräch mit mir, um die Persönlichkeit und die Motivation kennenzulernen. Dann sind drei bis vier Vormittage mit einer erfahrenen Grünen Dame auf Station vorgesehen. Danach folgt ein weiteres Gespräch. Ist die Eignung da und gibt es weiterhin Interesse, kann sich die Frau langsam in die Rolle der Grünen Dame einfinden. Gewöhnlich ist jede von uns einmal je Woche vormittags drei Stunden auf Station unterwegs.

Und wie tauschen sich die Grünen Damen aus?

Ute Karger: Wir treffen uns monatlich. Dabei können wir darüber sprechen, wie es uns bei den Besuchen auf den Stationen geht. Auch gibt es bei solchen Treffen Schulungen und Fortbildungen, zum Beispiel wie wir mit blinden Patienten umgehen können.

Warum gibt es keine Grünen Herren?

Ute Karger (lacht): Die melden sich nicht, da gibt es wohl eine große Hemmschwelle. Obwohl es sehr wichtig wäre, auch Grüne Herren zu haben, gerade für Begegnungen mit islamischen Patienten. Wir sind übrigens konfessionell ungebunden, auch wenn unser Handeln auf christlichen Werten fußt.

Für die Grünen Damen gibt es eine Schweigepflicht. Wie gehen Sie mit belastenden Situationen um?

Ute Karger: Wenn jemanden etwas zu sehr belastet, geht er schon mal in die Kapelle. Auch gibt es die Möglichkeit, für den Tag mit den Besuchen aufzuhören. Es ist wichtig, dass es uns gut geht, nur dann können wir auch für die Patienten da sein. Zudem sind die Seelsorgenden des Krankenhauses eine große Stütze für uns.

Wie erleben Sie die Gemeinschaft der Grünen Damen?

Wir sind eine harmonische Gruppe. Das Interesse an den Patienten, den Menschen, eint uns. Und wir freuen uns natürlich, wenn sich unser Kreis erweitert. Mitmacher sind willkommen.

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