Heidelberg (Greenpeace) – Deutschland ist spitze – was den Papierverbrauch angeht. Unglaubliche 250 kg Papier verbraucht jeder Deutsche statistisch pro Jahr. Gerade in der Schule spielt Papier eine wichtige Rolle; jedes Jahr steigt mit Beginn der Schulzeit die Nachfrage wieder. Trotz der wesentlich besseren Umweltbilanz von Recyclingpapier im Vergleich zu Frischfaserpapier ist der Anteil an verkauften Recycling-Schreibwaren niedrig. Dabei geht die Papierproduktion mit immenser Umweltzerstörung einher. Dies gilt insbesondere für die drei bis vier Millionen Tonnen Zellstoff, die Deutschland pro Jahr importiert. 16% davon stammen nach wie vor aus Urwaldzerstörung z. B. in Brasilien, wo riesige Eukalyptus-Plantagen heute anstelle des atlantischen Regenwaldes wachsen. Die Regenwald-Rodung für die Papierproduktion ist auch einer der Hauptgründe für die fortschreitende Zerstörung des indonesischen Regenwaldes, die den Orang-Utan an den Rand der Ausrottung gebracht hat.

Um bei Schülern, Lehrern und Eltern für die Benutzung von Recyclingpapierprodukten in der Schule zu werben, wird die Greenpeace-Gruppe Mannheim-Heidelberg am Samstag, den 16. September von 12 bis 16 Uhr mit einem Info-Stand auf dem Bismarckplatz in Heidelberg präsent sein. Dabei wird auch der in Zusammenarbeit mit dem BUND Heidelberg neu aufgelegte Recyclingpapierführer für Heidelberg und Mannheim vorgestellt. Darin sind Geschäfte aufgeführt, die Produkte aus Recyclingpapier verkaufen.

Produkt mit zweifelhafter Umweltbilanz

Papier ist ein nachwachsender Rohstoff, allerdings werden Wälder bei einer zu intensiven forstwirtschaftlichen Nutzung geschädigt. Deshalb kann Deutschland seinen Papierverbrauch nicht komplett aus eigenen Wäldern decken. Nur 20% des benötigten Zellstoffs für die Papierherstellung stammen aus deutschen Wäldern, 80% werden importiert. Somit beeinträchtigt Deutschland mit seinem immensen Papierverbrauch Wälder in anderen Erdteilen bis hin zu deren vollständigen Rodung und der Anlage von Plantagen mit schnellwachsenden Bäumen für die Zellstoffproduktion. Diese künstlich angelegten Wälder haben mit dem ursprünglichen Wald nichts mehr gemeinsam, sondern sind „grüne Wüsten“, wo nur noch wenige der ursprünglich zu findenden Tiere und Pflanzen zuhause sind.

Nur ein einziges Siegel überzeugt

Papierindustrie und Forstwirtschaft haben mit einer Flut an Nachhaltigkeits-Siegeln auf die Kritik von Naturschützern reagiert. Allerdings schließt im Papierbereich aktuell kein Siegel Holz aus zerstörerischer Forstwirtschaft sicher aus. Das einzig vertrauenswürdige Siegel ist der „Blaue Engel“, der bei vielen Papierprodukten die Herstellung aus 100% Altpapier garantiert. Neben dem damit garantierten Schutz der Wälder erbringt Recyclingpapier auch große Einsparungen beim Energieverbrauch und eine deutlich niedrigere Belastung der Umwelt durch Hilfsstoffe aus der Papierherstellung.

Greenpeace will Einsatz von Recyclingpapier fördern

„Obwohl Recyclingpapier heute oft von Frischfaserpapier optisch nicht mehr zu unterscheiden ist und garantiert die Umwelt schützt, stagniert sein Anteil am Papierverbrauch seit Jahren“, sagt Barbara Roy von Greenpeace Mannheim-Heidelberg, „Dem wollen wir mit dem Recyclingpapier-Führer und unserer Aktion entgegenwirken“, macht Roy klar.

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