Interview von Gemeindereferent Herbert Kohl

Sabine Mattila-Baus, Gabi Brinkmann und Nebyat Teshome mit ihrer Tochter Maria. Foto: hk

Sabine Mattila-Baus, Gabi Brinkmann und Nebyat Teshome mit ihrer Tochter Maria.
Foto: hk

Viernheim (Herbert Kohl) – Mit diesen Worten begrüßen mich Sabine Mattila-Baus und Gabi Brinkmann bei unserem Interview über ihre Tandempartnerschaft mit Nebyat Teshome. „Obwohl sie erst 19 Jahre alt ist macht sie das alles ganz klasse und ist für ihre 8 Monate alte Maria eine prima Mutter.“

Wie habt ihr drei euch kennengelernt?

Sabine: Wir haben uns bei einem Tandemabend kennengelernt. Nebyat war erst eine Woche in Viernheim und sprach noch kein Wort Deutsch. Tsegay hat für sie jedes Wort übersetzt. Nebyat war sehr schüchtern, aber wir waren uns auf Anhieb sympathisch.

Wieso macht ihr das gemeinsam?

Gabi: Wir sind beide berufstätig und brauchen auch Zeit für unsere Familien. Wir haben uns das nicht alleine zugetraut, aber gemeinsam ist das eine tolle Partnerschaft geworden. Wir treffen uns jeden Mittwoch um 15 Uhr, und wenn eine von uns mal nicht kann ist das auch nicht so schlimm.

Bleibt das bei einem Treffen in der Woche?

Sabine: Möglich wäre das schon, aber gerade durch die Schwangerschaft von Nebyat brauchte sie zu Beginn weitere Unterstützung. Wir sind mit ihr zum Frauenarzt und haben sie auch zu verschiedenen Ämtern begleitet. Alleine wäre sie damit völlig überfordert gewesen. Aber wir waren auch schon mal im Vogelpark oder ein Eis essen.

Gabi: Im Grunde haben wir einen ganzen Freundeskreis in der Hinterhand, der uns immer wieder mal unterstützt und uns auch mit gutem Rat zur Seite steht. Es galt schon einige Herausforderungen zu meistern, vor allem eine Wohnung zu finden war sehr schwierig. Aber jetzt hat Nebyat eine kleine Wohnung gefunden und fühlt sich hier mit Maria sehr wohl.

Nebyat, was bedeutet dir die Tandempartnerschaft mit Gabi und Sabine?

Nebyat: Unsere Freundschaft ist sehr, sehr gut. Wir sprechen viel miteinander und sie helfen mir immer. Sie erklären mir meine Post und gehen mit mir auch zum Flüchtlingsamt oder zum Arzt. Vieles kann ich aber jetzt schon alleine.

Sabine: Das stimmt. Nebyat hat sich emanzipiert und übernimmt immer mehr Verantwortung für sich und Maria. Sie hat sich geöffnet und kann gut auf Menschen zugehen. Das ist sehr wichtig, damit sie Kontakt in Viernheim findet.

Nebyat: Deutschland ist gut. Hier ist Frieden. In Eritrea ist kein Frieden. Hier gibt es Arbeit.

Gibt es auch Dinge die dir nicht gefallen in Deutschland? Oder die in Eritrea besser sind?

Nebyat: Manchmal rücken Menschen von mir weg oder gehen zur Seite. Sie haben Vorurteile. Das verstehe ich nicht und es kränkt mich. Ich habe ihnen nichts getan. In Eritrea ist die Familie noch wichtiger als in Deutschland. Da gibt es kein Altenheim. Die Kinder kümmern sich immer um die Eltern.

Was sind deine weiteren Pläne für dein Leben hier in Deutschland?

Nebyat: Ich war schon 9 Monate im Deutschkurs im Pfarrheim an der Marienkirche. Ab Mai kann ich wieder einen Deutschkurs im Lernmobil besuchen. Dort gibt es dann Kinderbetreuung.

Was hat euch denn die Tandempartnerschaft gebracht, Sabine und Gabi?

Gabi: Das ist eine totale Bereicherung. Es ist toll zu sehen, welche Fortschritte Nebyat macht. Wir haben früher auch viel über die Flüchtlingsthematik geredet, vor allem im Freundeskreis. Aber es macht viel mehr Sinn aktiv etwas zu tun, damit diese Menschen hier ankommen und sich zu Hause fühlen. Zudem habe ich sehr viel über Eritrea gelernt.

Sabine: Mich beeindruckt vor allem der Glaube von Nebyat. Sie ist gläubige Christin und betrachtet ihr Kind als Geschenk Gottes. Wenn es wieder mal schwer für sie ist, findet sie Trost und Kraft im Gebet. Sie sagt: „Gott wird es für mich fügen“. Außerdem bin ich sprachlos, dass sie von dem wenigen Geld, das sie vom Jobcenter bekommt, regelmäßig ihre Familie in Eritrea unterstützt. Sie lebt absolut bescheiden und sparsam.

Was ist euer Fazit?

Wir können eine Tandempartnerschaft nur wärmstens empfehlen. Für uns war es wichtig, dass wir zu zweit sind. Das würden wir auch anderen Tandempartnern raten.

Nebyat, Dir gehört das Schlusswort.

Nebyat: Ich suche dringend eine Tandempartnerin für meine Freundin Selam. Es wäre mein größter Wunsch, wenn sie jemanden finden würde.

Ich danke euch für das aufschlussreiche Gespräch und wünsche euch noch viele erfüllende Stunden in eurer Partnerschaft. Alle, die Interesse an einer Tandempartnerschaft haben können sich gerne an Anke Winkler (awinkler@sankt-himi.de , Telefon: 0178 2822926) wenden, die dazu berät oder man nimmt einfach am nächsten Spieleabend teil. In diesem zwanglosen Rahmen kann man sich unverbindlich kennenlernen. Der nächste Spieleabend ist im März im Rhein-Neckar-Hotel.

Anzeige

Anzeige-50prozent-gross-Herst-2017-web