Dorothee Gassenferth und Claudia Dieter-Rassloff. Foto: Hospizverein

Dorothee Gassenferth und Claudia Dieter-Rassloff.
Foto: Hospizverein

Viernheim (Hospizverein) – Das Deutsche Krebsforschungszentrum Heidelberg eröffnete im Februar 2012 erneut die erschreckende Statistik der Krebserkrankungen. Die Zahl der Neuerkrankungen an Krebs wird für dieses Jahr auf etwa 486 000 geschätzt während im Jahr 2008 insgesamt ca. 1,3 Millionen krebskranke Menschen in Deutschland leben.

Während einige Krebsformen dank der progressiven Medizin inzwischen gut heilbar sind, gibt es jedoch für viele Menschen leider keine Aussicht auf Heilung.

Das zentrale und elementare Anliegen des 1996 in Viernheim gegründeten Hospizvereines ist die Begleitung Schwerstkranker und Sterbender, ehrenamtlich und für jeden kostenlos ungeachtet der Nationalität und der angehörenden Religion.

Im Vordergrund dieser Begleitungen steht die Bewahrung der Selbstbestimmung und die Würde bis zum Lebensende.  Es soll aber auch das Sterben in vertrauter Umgebung in Wärme und Geborgenheit ermöglicht werden wobei die Angehörigen dabei unterstützt und entlastet werden sollen.

Dennoch setzen sich aus verständlichen Gründen nicht viele Menschen mit dem Thema Tod und Sterben auseinander. Umso schwieriger ist es für Betroffene dann zu agieren so wie es am optimalsten für den Menschen sein könnte.

„Für uns als Hospizschwestern und Palliativ Care Kräfte des Hospizvereins wäre es wünschenswert, wenn die Betroffenen rechtzeitig mit uns Kontakt aufnehmen, spätestens dann, wenn die Beschwernisse des Alltages zunehmen, wie Probleme bei der Nahrungsaufnahme oder das alltägliche Leben zu organisieren, um so die Möglichkeit zu haben den Menschen beizustehen eine  gute Lebensqualität in der letzten Lebensphase zu gewährleisten und noch letzte Dinge zu regeln“ erklärt Frau Gassenferth, Palliativ Care Schwester und Koordinatorin des Viernheimer Hospizvereins.

„Leider wissen viele Menschen gar nicht, dass es uns gibt geschweige denn was eine PalliativCare Kraft bzw. eine Hospizschwester eigentlich ist. Aus diesem Grunde möchten wir unsere Mitmenschen gerne durch Öffentlichkeitsarbeit immer wieder aufklären und informieren.“ so Claudia Dieter-Rassloff, Palliativ Care Schwester und stellvertretende Koordinatorin.
Eine Hospizschwester ist eine Krankenschwester mit langjähriger Berufserfahrung, Leitungskompetenz und einer Zusatzqualifikation in Palliative-Care.

Aber was ist „Palliative Care“?

Nach einer Definition der Deutschen Gesellschaft für Palliativmedizin ist Palliativmedizin die Behandlung von Patienten mit einer nicht heilbaren  weit fortgeschrittenen Erkrankung mit begrenzter Lebenserwartung, für die das Hauptziel der Begleitung die Lebensqualität ist.

„Palliativ Care bedeutet die Aufmerksamkeit auf die Qualität der noch zu verbleibenden Lebenszeit zu legen. Es ist nicht der Kampf gegen die Krankheit, sondern das bestmögliche Leben mit ihr. Dieser veränderte Blickwinkel akzeptiert, dass das Sterben absehbar und unabwendbar ist.“ erklärt Frau Gassenferth. Für die Arbeit der Hospizschwestern Frau Dorothee Gassenferth und Frau Claudia Dieter-Rassloff, bedeutet dies: „austherapiert“ oder „für Sie können wir nichts mehr tun“ gibt es nicht.

Sie können immer noch etwas tun. Schmerztherapie und Symptomkontrolle, menschlicher Beistand, Entlastung der Angehörigen bis zum Tode und darüber hinaus – das sind wichtige Aspekte der Palliativ Care. Sie handeln in diesem Moment nach dem, von der Gründerin der Hospizbewegung, der Engländerin Cyceley Saunders, geprägten Leitsatz: „Dem Leben nicht mehr Tage, sondern den Tagen mehr Leben geben!“

Wenn es zu einem Einsatz bei Betroffenen kommt, koordinieren Frau Gassenferth und Frau Dieter-Rassloff die Ehrenamtlichen, die sie selbst ausgebildet haben, im Sinne von Einsatzplanung und Führen von Erstgesprächen in den Familien bei Betroffenen sowie stete Erreichbarkeit. Sie gewährleisten psychosoziale Beratung und Begleitung der Patienten und Angehörigen und Freunden der Schwerstkranken und Sterbenden. Dazu gehören auch die Bewältigung bei rechtlichen Fragen der Selbstbestimmung, wie z. B. die Erstellung einer Patientenverfügung.

Palliativtherapie lindert Symptome und respektiert, dass die Krankheit nicht mehr heilbar ist. Sie berücksichtigt den Menschen als Ganzes zusammen mit seinem Umfeld. Palliativ Care bzw. Palliativversorgung meint immer eine ganzheitliche Behandlung.

Neben der Begleitung, Pflege, ärztlicher Betreuung tragen im gleichen Maße viele andere Berufsgruppen zur angemessenen Therapie bei. Dazu gehören eine Schmerztherapie, Ernährung und verträgliche Medikamente.
Die Minderung von Atemnot, Übelkeit und Erbrechen ist unerlässlich. Aber auch Unruhe, Ängste und Schwäche müssen ernst genommen werden.

Die Hospizschwestern, Frau Gassenferth und Frau Dieter-Rassloff, möchten die Betroffenen in allen wichtigen Bereichen unterstützen und diese so in einer schwierigen Situation auffangen.
Frau Gassenferth und Frau Dieter-Rassloff durften erleben, dass Menschen mit Hilfe der Palliativversorgung etwas ganz Besonderes aus der letzten Lebensphase machen – diese bewusst und würdevoll gestalten können.

So unterstützen Frau Gassenferth und Frau Dieter-Rassloff die betreuenden Ärzte bei der Symptomkontrolle und der eingeleiteten Maßnahmen in enger Zusammenarbeit mit den ambulanten Pflegediensten.  Sie arbeiten mit zwei Palliativmedizinern eng zusammen und können somit eine 24 Stunden Erreichbarkeit und Versorgung der kranken Menschen gewährleisten.
In Kooperation mit dem St.-Josef-Krankenhaus Viernheim findet seit über einem Jahr jeden Dienstag von 14 Uhr bis 15 Uhr eine Sprechstunde des Hospizes im Krankenhaus statt.
Dies soll Betroffenen und deren Angehörigen die Möglichkeit bieten, vorort mit Frau Gassenferth oder Frau Dieter-Rassloff anstehende Fragen hinsichtlich der letzten Lebensphase zu klären.

Nach dem im Leitbild des Hospizvereines  verfassten  Grundsatz „Ich werde nicht allein gelassen“ sind Frau Gassenferth und Frau Dieter-Rassloff gemeinsam mit ihren 32 ehrenamtlichen Begleiterinnen und Begleitern allen Betroffenen in ihrer schweren Zeit jederzeit erreichbar:

Hospizverein Viernheim e.V.
Goethestraße 19, 68519 Viernheim
Tel.: 06204 – 602559, Fax: 06204 – 9180888
E-Mail: viernheimer_hospizverein@web.de

Die permanenten Angebote

Trauercafé
Jeden zweiten Montag im Monat findet das Trauercafé von 14.30 bis 16 Uhr in der Goethestaße 19 in Viernheim statt.

Gesprächskreis für Trauernde
Jeden ersten Dienstag im Monat können Trauernde, die berufstätig sind, den Gesprächskreis von 19.30 bis 21.00 Uhr in der Goethestraße 19 in Viernheim besuchen. (Bei Feiertagen verschieben sich die Termine jeweils um eine Woche)

Sternenkinder-Gruppe
Diese Trauergruppe entspringt der Regenbogeninitative und kümmert sich um Mütter und Väter deren Kind den Weg zum Leben nicht finden konnte. Jeden zweiten Freitag im Monat findet ein Treffen in der Goethestraße 19, betroffener junger Eltern um 20.00 Uhr statt um sich auszusprechen und Verständnis zu finden.

Der Artikel als PDF-Datei: Hospizverein Viernheim