Grafik: MM

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Viernheim (MM) – „Faszination Brieftaubensport“ ist auf der Wand der Einsatzhalle der Einsatzstelle Viernheim zu lesen. Dorthin haben am vergangenen Freitag, 5. 5. 2017 wieder 28 Züchter gefunden, um zum zweiten Preisflug der Saison einzusetzen. Seit Jahren eine weitgehend konstante Zahl an Züchtern, auch weil die Viernheimer Zuwachs aus der Umgebung bekommen haben.

Bei Brieftaubensport denken viele an alte Herren mit staubigen Kitteln, sofern sie sich überhaupt etwas unter diesem Sport vorstellen können. Dabei weist kaum ein Sport mehr High-Tech auf als dieser. Die Schläge werden alle mit GPS-Koordinaten vermessen, das Erfassen der Tauben erfolgt elektronisch in der Einsatzstelle, aber auch zu Hause am heimischen Schlag mit einem Erfassungsgerät, das ähnlich wie eine Registrierkasse funktioniert. Die Taube läuft beim Erreichen des Einflugs über einen Kontakt, die Nummer der Taube und die Ankunftszeit werden erfasst und können mit entsprechender Zusatzsoftware sofort an z.B. ein Handy gesendet werden. Das Auswerten der Daten erfolgt elektronisch. Noch am gleichen Abend nach dem Flug kann jeder Züchter seine Ergebnisse im Internet einsehen, wenn er nicht live bei der Auswertung in der Einsatzstelle dabei sein konnte. Wenn man vom Federstaub absieht ist dieser Sport also alles andere als „angestaubt“ oder „für lahme, unflexible Greise“.

„Trotzdem macht das doch heute keiner mehr“, werden viele sagen, aber die Zahlen sagen anderes. Allein in der Umgebung, also dem Großraum Viernheim, Darmstadt und der Bergstraße starteten am vergangenen Samstag knapp 9.000 Tauben von fast 200 Züchtern. Über solche Zahlen würde sich mancher Sportverein sicher freuen.

Es ist die Faszination, das Fieber, das diesen Sport ausmacht: das Hoffen auf eine frühe und möglichst die richtige Taube, der Lohn für gutes Training, eine optimale Fütterung und die Freude, jede einzelne seiner Tauben den heimischen Schlag erreichen zu sehen. Manche Dinge muss man erleben, um sie beurteilen zu können, wie man neue Gerichte probieren muss, um zu wissen wie gut sie schmecken.

28 Züchter aus der Reisevereinigung Viernheim und Umgebung waren und sind bereits im Fieber. Am 29.04. fand bereits der erste Preisflug von Saverne (122km) mit 1175 Tauben statt. Nach zahlreichen Trainingsflügen war das der erste Flug in der Wertung. Rudolf Stolle konnte mit 74,1%, was 20 Preisen bei 27 gesetzten Tauben entspricht, das beste Mannschaftsergebnis erzielen. Die erste Taube gehört der SG Wolf und Sohn, vor Werner Lamberth und Erich Dewald. Damit waren die ersten Podestplätze der Saison vergeben.

Am vergangenen Samstag stand mit Lunville (181 km) bereits der zweite Wertungsflug an. 1065 Tauben machten sich auf die Reise. Mit 18 Preisen bei 28 gesetzten Tauben hatte diesmal Werner Lamberth die beste Mannschaft. Rudolf Stolle zeigte sich diesmal in Sachen Schnelligkeit ganz vorn. Ihm gehören die ersten drei Tauben des Fluges.

Ohne großes Aufsehen schaffte es aber Werner Kadel auf Rang 1 der aktuellen Meisterschaftswertung. Ihm folgen Rudolf Stolle und Werner Lamberth. Bis zu Platz 12 haben alle Züchter noch „full house“, also bei beiden Flügen 5 Tauben in die Wertung gebracht. Einzig die Schnelligkeit macht hier die Differenzierung aus.

Noch stehen aber 11 Flüge auf dem Programm. Nach diesen 13 geplanten Flügen erfolgreich abzuschneiden, ist ein Ziel. Auf der anderen Seite ist es aber die Faszination, die weder mit dem Ende der Preiszeit noch mit dem Eintreffen der letzten noch erwarteten Taube noch mit dem Siegerpokal endet.