Erster Stadtrat Jens Bolze: „Verwaltung plant konkrete Maßnahmen zur ökologischen Aufwertung“

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Viernheim (sid) – Die biologische Vielfalt ist bedroht. Weltweit werden fast zwei Drittel aller Ökosysteme und zahlreiche Tier- und Pflanzenarten als gefährdet eingestuft. Dazu kommt ein großer Verlust an genetischer Vielfalt mit unabsehbaren Auswirkungen auf künftige Generationen. Auch in Deutschland sind über 70 Prozent der Lebensräume bedroht. Aus diesem Grunde startete die Stadt Viernheim die Aktion „Viernheim summt“. Denn klar ist: Die Vielfalt innerhalb der Arten, zwischen den Arten und die Vielfalt der Ökosysteme bildet die existenzielle Grundlage für menschliches Leben und für die Möglichkeiten wirtschaftlicher, sozialer und kultureller Entfaltung.

Mit dem Projekt „Viernheim summt“ will die Stadt Viernheim konkrete Maßnahmen zur ökologischen Aufwertung und bienenfreundlichen Gestaltung der öffentlichen Grünflächen planen und umsetzen. In einem ersten Schritt sollen folgende Projekte realisiert werden: Anlegen einer artenreichen Wildblumenwiese in der Lorscher Straße/Anfang Einhardstraße (zwischen Wernher Straße und Sportgelände), Schaffung einer Sukzessionsfläche in der Mannheimer Straße (3 Meter Abstand zum Fuß- und Radweg bis zum Bahngelände, Höhe Mönchhofstraße), Zierblumensaat in der Nibelungen-/ Wormser Straße (Mittelstreifen Höhe Konrad-Adenauer-Allee) sowie die Pflanzung von sieben Winterlinden in der Friedrich-Ebert-Straße (Höhe Zwingenberger Straße).

Der Magistrat befasste sich hiermit in seiner letzten Sitzung und leitete die Planung mit entsprechender Empfehlung an den Ausschuss für Umwelt, Energie und Bauen bzw. an das Stadtparlament weiter.

Ziel der Aktion „Viernheim summt“

Nach Mitteilung des Ersten Stadtrats Jens Bolze richtet sich die Aktion „Viernheim summt“ zunächst an die Viernheimer Bürger: „Es ist aber auch sehr sinnvoll, sie im öffentlichen Grün anzuwenden. Die Lebensraumqualität für Wild- und Honigbienen zu verbessern, ist eine geeignete Strategie, die ökologische Qualität des städtischen Grüns insgesamt zu erhöhen. Die Artengruppe dient dabei als Ziel- und Indikatorart. Das öffentliche Grün als Lebensraum weiter zu verbessern, kann dem Bienensterben entgegenwirken“. Leider ist besonders in den letzten Jahren gerade im privaten innerörtlichen Bereich diese Lebensraumverarmung ebenfalls fortschreitend (Verlust an strukturreichen Gartenflächen durch Bebauung, Pflasterung oder Schotterung), heißt es in einer Pressemitteilung der städtischen Presse- und Informationsstelle.

Zur Information:

Die Stadt hat sich dem Bündnis „Kommunen für biologische Vielfalt“ angeschlossen und ist damit Verpflichtungen eingegangen. Der momentane Schwerpunkt der Aktion „Viernheim summt“ besteht darin, Flächen mit einer Samenmischung anzulegen, die in der Art einer Blumenwiese eine mehrjährige blühende Fläche mit speziellen Nahrungspflanzen ergibt, mit Pollen- und Nektarpflanzen.

Für öffentliche Grünflächen wurde schon vor einigen Jahren das Ziel vorgegeben: mehr Flächen von grünem Rasen mit wenigen Gräserarten in blühende Wiesen mit zahlreichen Blütenpflanzen zu verwandeln.

Dies ist am Ilvesheimer Weg und weiteren Stellen in den letzten Jahren geschehen. Eine weitere Möglichkeit bei dieser Grünflächengruppe ist, geeignete Rasen- oder Wiesenflächen der Sukzession zu überlassen. Das heißt, es wird nicht mehr oder einige Jahre nicht mehr gemäht. Dabei entsteht ein weiterer Lebensraumtyp und damit eine größere strukturelle Vielfalt.
Außer diesen von Gräsern und krautigen Pflanzen bewachsenen Grünflächen gibt es eine Reihe weiterer Typen, die für Bienen ein wertvoller Lebensraum sein können und die sich ökologisch wertvoll gestalten lassen. Dies ist bereits in der Vergangenheit vielfach angestrebt worden, und auch für die Zukunft lässt sich darauf gezielt achten.

Eine Orientierung dabei bietet zum Beispiel eine Broschüre mit bienenfreundlichen Pflanzen des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft. Geht man die Liste durch, erkennt man, dass Pflanzen für viele verschiedene Verwendungsbereiche darin enthalten sind. Straßenbäume, Strauchflächen und Hecken, Kleingehölzpflanzungen, Staudenflächen, Dach- und Wandbegrünungen. Dies ist bei der Neuanlage, der Pflege und bei Erhaltungs- und Erneuerungsmaßnahmen möglich.

Vier konkrete Schritte in Richtung Bienenfreundlichkeit:

In unterschiedlichen Formen öffentlichen Grüns wird die Verwaltung konkret in der Umsetzung:

  1. Für die Gruppe „Rasen, Wiesen, Sukzessionsflächen“ ist eine Fläche in der Lorscher Straße als Blumenwiese enthalten.
  2. Eine große Fläche an der Mannheimer Straße kann der Sukzession überlassen werden, bei der der Natur viel Raum und relativ ungestörte Entwicklungszeit gegeben wird.
  3. Intensiv und lange blühende Beete mit Sommerblumen als Ansaat, also eine saisonale Begrünungsform, ist für die Nibelungen-/Wormser Straße probeweise vorgeschlagen.
  4. Beispielhaft für hunderte möglicher weiterer Baumstandorte in der Stadt ist die Ergänzung einer Baumreihe an der Friedrich-Ebert-Straße dargestellt.

„Sowohl im öffentlichen wie im privaten Bereich ist das Aufwertungspotenzial groß, die Möglichkeit, auf unterschiedlichen Flächen den Lebensraum bzw. die Lebensraumqualität für Wild- und Honigbienen zu verbessern“, betont Erster Stadtrat Jens Bolze.